Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG
 Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG

Noch nach Ende des Ersten Weltkriegs hielten die Ballestrems in der Eisenerzverarbeitung (Hüttenwerke) nur Aktienanteile an der Oberschlesischen Eisenindustrie AG, die bis zur Teilung Oberschlesiens im Jahr 1921 existierte. Da der damalige Generaldirektor des Ballestrem-Konzerns Dr. Franz Pieler jun. sowohl dort als auch in der Donnersmarckhütte AG im Aufsichtsrat saß, konnte zunehmender Einfluss gewonnen werden. 1922 kam es zur Vereinigung der Oberschlesischen Eisenindustrie AG mit dem Konzern Linke-Hofmann-Lauchhammer, der zum Industrieimperium Friedrich Flicks gehörte. 1926 wurde der Konzern nochmals erweitert, umfasste nun (mit der Donnersmarckhütte) die drei großen deutsch-oberschlesischen Werke und war damit einziger Hersteller von Roheisen und Stahl im westlichen Teil von Oberschlesien. Man gab dem Konzern den sperrigen Namen Vereinigte Oberschlesische Hüttenwerke AG, im allgemeinen Sprachgebrauch kurz „Oberhütten“ genannt. In diesem Konzern mit Sitz in Gleiwitz (Gliwice) hielten Ballestrem und Flick je die Hälfte des Aktienbesitzes. 1931 zog sich Flick zurück und Ballestrem erwarb die Aktienmehrheit. Nach der Stilllegung des Hüttenwerks der Borsig AG war Ballestrem damit Alleineigentümer der gesamten Eisen- und Stahlindustrie Deutsch-Oberschlesiens! Das war allerdings gleichzeitig ein Risiko, wie sich nach der einsetzenden Weltwirtschaftskrise zeigen sollte: Ohne Schuldennachlass und Kapitalunterstützung durch das Deutsche Reich wäre es wahrscheinlich zum Zusammenbruch des Konzerns gekommen. Gleichzeitig war es klug, dass Kohlenbergwerke und Hüttenunternehmen nicht in einem Mischkonzern vereinigt worden waren, denn sie hatten strukturbedingt sehr verschiedene Ertragsaussichten. (Es fehlten vergleichbar zur Kohle hochwertige Eisenerzvorkommen.) Krisenbedingt war der Staat vorübergehend zu 45 Prozent an Oberhütten beteiligt, ab 1937 befand sich der Konzern jedoch wieder zu 97,5 Prozent im Ballestremschen Besitz.